Die beiden Mitarbeitenden Diana Korol und Jakob Leitner des FWF-Projekts GuDiE, geleitet von PD Dr. Ingeborg Zechner, sprechen am Fr, 27.02. im Rahmen der Tagung "DHd 2026- Nicht nur Text, nicht nur Daten" in Wien. Die Jahrestagung des Verbandes “Digital Humanities im deutschsprachigen Raum”, ausgerichtet von der Universität Wien möchte einen produktiven Raum für Begegnungen und Diskussionen schaffen, um diese Fragen zu erörtern. Panels, Rundtischgespräche, Workshops und Postersessions bringen Expert*innen aus Bereichen der digitalen Kulturerbeforschung, digitalen Archivierung und Datenwissenschaft sowie Vertreter*innen traditioneller, text- und sprachorientierter Digital Humanities zusammen.
Zahlreiche geisteswissenschaftliche Disziplinen haben in den vergangenen Jahren durch digitale Erfassung kultureller Erzeugnisse und abstrakte Modellierung von Information die Grundlage ihrer Erkenntnisarbeit signifikant erweitert. Ausgangspunkt dafür war vor allem die Erstellung von Textkorpora, Entwicklung von Algorithmen und Interfaces für die Analyse von Texten. Nach und nach hat eine Erweiterung des Feldes stattgefunden, so dass inzwischen vermutlich sämtliche “Objekte” der Geisteswissenschaften digital erfasst und zunehmend miteinander analytisch verknüpft werden können: Personen, Orte, Objekte der materiellen Kultur, Begriffe, Kunstwerke, sprachliche Interaktionen etc. Herausforderungen, die sich aus dieser Erweiterung über Text und Daten hinaus ergeben, werden als Motto der Konferenz aufgegriffen: nicht indem textzentrierte Ansätze ausgeschlossen, sondern indem sie in einen breiteren Kontext gestellt werden.
Weitere Informationen zur Konferenz und dem Programm
Der Beitrag von Diana Korol und Jakob Leitner stellt einen hybriden Ansatz zur Annotation und Modellierung von Verweisen auf Theaterwerke in Theaterchroniken des 18. Jahrhunderts vor. Im Rahmen des vom FWF geförderten Projekts GuDiE (2024–2028) wird eine digitale kritische Ausgabe der Gumpenhuber-Chroniken unter Verwendung von TEI/XML entwickelt, zusammen mit einer RDF-Datenbank, die auf Ontologien der darstellenden Künste basiert. Aufgrund der fluiden und hybriden Natur historischer Theaterpraktiken – wie Pasticcio oder genreübergreifende Adaptionen – werden Werke nicht als abstrakte Einheiten modelliert, sondern als Ausdrucksformen, die mit Inhaltstypen (z. B. Musik, Text, Choreografie) angereichert sind. Zur Unterstützung des Annotationsprozesses wurden Large Language Models (LLMs) für die halbautomatische Erkennung benannter Entitäten und die Verknüpfung mit einem kuratierten Autoritätsregister verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass LLMs den manuellen Aufwand reduzieren können, obwohl Herausforderungen wie Mehrdeutigkeit, Disambiguierung und Prompt-Sensitivität bestehen bleiben. Der Vortrag reflektiert die methodologischen und ontologischen Implikationen der Kombination von strukturierter Datenmodellierung mit historischer Komplexität in der digitalen wissenschaftlichen Bearbeitung.
Dienstag, 24.02.2026