Globale Extraktionen – Transkulturelle Relationen?
Kritische und künstlerische Perspektiven angesichts erschöpfter Welten
Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
4. Nov 2025 - 5. Febr 2026
Organisation:
Dr. phil. Franziska Koch, Transkulturelle Studien I, Institut für Kulturwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und AG Kunstproduktion und Kunstheorie im Zeichen globaler Migration (Ulmer Verein. Verband f. Kunst- u. Kulturwissenschaften e.V.)
Online bzw. hybride Veranstaltung an der HHU im Raum 2302.02.45
Meeting-Link:
https://hhu.webex.com/meet/fkoch
Meeting-Kennnummer 2731 620 5149, Video-Adresse fkoch(at)hhu.webex.com, Audio-
Verbindung Germany Toll +49-619-6781-9736, Zugriffscode 2731 620 5149
Di. 3. Februar 2026, 16:30-18:00 (online)
Katrin Nahidi
Öl-Bilder: Visuelle Repräsentationen der Petromodernität am Kaspischen Meer
In dem Vortrag wird das Konzept der „Petromodernität“ als analytische Linse entwickelt, um die Verflechtungen zwischen fossiler Energie und Kolonialität sichtbar zu machen. Ausgehend von postkolonialer Theorie und dekolonialem Denken wird argumentiert, dass die Petromoderne als Fallstudie dienen kann, um die Kolonialität der Moderne aufzuzeigen. Petroleum fungiert als materielles Regime und epistemische Matrix, das Wirtschaft, Infrastrukturen und moderne Subjektivitäten ebenso prägt wie geopolitische Ordnungen und kunsthistorische Narrtive. Kurzum könnte man also sagen: Es gibt keine Moderne ohne Petroleum.
Dennoch bleiben die materiellen Realitäten der Öl- und Gasförderung hinter ästhetisierten Bildern oftmals systematisch unsichtbar. Dies ist ein Symptom extraktivistischer Praktiken, die Ressourcen, Arbeit, Wissen und Daten ausblenden und im Sinne von Timothy Mitchells „Carbon Democracy“ depolitisierende Effekte erzeugen. Am Beispiel des Kaspischen Meeres als einem frühen Knotenpunkt petromoderner Entwicklungen wird nachvollzogen, wie Ölströme europäische Märkte formten, koloniale und kapitalistische Machtordnungen stabilisierten und die Selektivität des kunsthistorischen Kanons mitproduzierten. Künstlerische Fallstudien zu zeitgenössischen Gegen-Narrativen aus der Region legen die sozio-ökologischen Folgen offen, machen die Logik selektiver Sichtbarkeit von Infrastruktur erfahrbar und verschieben Sehgewohnheiten und Erzählformen.