Cristina Scuderi spricht als Keynote Speakerin bei der Konferenz “Music Migrations and the Opera in the Mediterranean”, der Joint Conference of the IMS Study Groups, die am 23./24. April 2026 in Hvar, Kroatien stattfinden wird.
Aufbauend auf früheren Forschungsarbeiten zur Mobilität und zum Austausch im Opernbereich über die Adria hinweg zielt dieser Beitrag darauf ab, die Notwendigkeit einer gemeinsamen, globalen und interaktiven digitalen Ressource für adriatische (und im weiteren Sinne mediterrane) Netzwerke sowie ein klareres Bewusstsein für die Position des Forschers innerhalb eben dieser Netzwerke aufzuzeigen. Der Beitrag entwickelt somit eine doppelte Perspektive. Einerseits stellt er einen laufenden Versuch dar, den Opernverkehr zwischen den Ufern der Adria zu rekonstruieren, d. h. Routen, Theater und Repertoire; andererseits reflektiert er über die Figur des Musikwissenschaftlers, der Mobilität erlebt: der sich zwischen Regionen und Archiven (italienischen, österreichischen, kroatischen, slowenischen usw.) bewegt, mit unterschiedlichen historiografischen Traditionen umgeht und seine Methoden als Reaktion auf höchst heterogene Quellen kontinuierlich neu kalibriert.
Von diesem situativen Standpunkt aus zeichnet der Beitrag die Entwicklung eines methodischen Ansatzes nach, der nun auf Prosopographie und Netzwerkanalyse basiert, und erörtert konkrete Herausforderungen, denen man in der Praxis begegnet: den Umgang mit Lücken, Verzerrungen und ungleichmäßiger Granularität in der Dokumentation; die Auswahl und Verfeinerung eines Datenmodells, das Ereignisse, Personen, Institutionen, Werke und Orte erfassen kann; sowie den Umgang mit Unsicherheit in historischen Daten, ohne diese im Interesse „sauberer“ Datensätze zu verflachen.
Der Beitrag erörtert zudem, wie die Zusammenarbeit mit Zentren für Informationsmodellierung das Verständnis dafür verändert hat, worum es bei der Gestaltung interoperabler Ontologien und nachhaltiger Forschungsinfrastrukturen geht. Damit soll eine Diskussion nicht nur über adriatische Opernnetzwerke angestoßen werden, sondern auch über die Praktiken von Musikwissenschaftlern, die sich in den miteinander verflochtenen Geografien von Archiven, Disziplinen und digitalen Infrastrukturen bewegen.
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