In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich damit, wie die theatrale Beteiligung von Künstlern in Florenz um 1600 das künstlerische Schaffen und Selbstverständnis prägte. Was die Florentiner Archive bereit hielten, verschob den Fokus der Arbeit auf eine produktive Weise: immer mehr stehen nun Materialien, Handwerker und kollaborative Praktiken im Fokus, die ein höfisches Spektakel erst ermöglichten - und damit auch die Frage, was „künstlerisches Schaffen“ in diesem Kontext überhaupt bedeutete.
Inventar- und Ausgabenkontrolllisten, Vergabeverträge, Werkstattaufzeichnungen, was zunächst wie rein administrative Dokumentation erscheint, entpuppte sich in diesem Kontext als äußert ergiebig. So war Holz beispielsweise beim Florentiner Festapparat 1589 der größte Kostenpunkt – größer als Marmor, Farben oder kostbare Stoffe für Kostüme. Auch die für die Bühnenbilder, Requisiten und Festwagen verwendeten „einfacheren“ Materialien wie Pappmaché, Stuck, Gips oder Schlagmetall erscheinen in den Dokumenten nicht als minderwertige Substitute für dauerhaftere, teurere Stoffe, sondern als ein Ausdruck eines Systems mit eigener Logik. Die Möglichkeit, mit ihnen andere Stoffe und Materialien zu imitieren, ihre Leichtigkeit und Formbarkeit waren keine Mängel, sondern die eigentlichen Voraussetzungen der theatralen Illusion.
Daraus ergibt sich eine Verschiebung der Fragestellung: Das Theater erscheint nicht länger als episodische Nebentätigkeit von Künstlern und Handwerkern, sondern als strukturierendes Medium, das Materialwahl, kollaborative Arbeitsprozesse und Vorstellungen von Urheberschaft gleichermaßen formte. Werkstatt und Bühne teilten dieselben übertragbaren Verfahren – von der Bronzeskulptur bis zur Zuckerfigur.
Die Funde aus dem Archivio di Stato di Firenze eröffnen neue Perspektiven auf die materielle Kultur des höfischen Festes und werden die Dissertation in den kommenden Monaten in eine Richtung weiterführen, die sich erst in Florenz abgezeichnet hat.